Woche 1

Unsere ganze Reise war ein aufregendes Erlebnis. Die erste Woche war sehr spannend. Am Freitag morgen ging es los, Richtung Südfrankreich, mit kleinen Zwischenstops.

Neben allen neuen Eindrücken, mussten wir in den ersten  Tagen mit Schnecki vertraut werden. Das WoMo ist doch höher und breiter als man denkt, ja da muss man wirklich vorausdenken – Passen wir da durch? Ist das hoch genug und vor allem … breit genug? Dann entdeckten wir sehr geräuschvoll –  hoppla, die Fahrerkabine ist ja schmäler als der Wohnteil – da heißt es umdenken!

Für den Innenbereich lernten wir: Wie viel Frischwasser sollen wir einfüllen? Wann ist der Abwassertank voll? Für diese Informationen gibt es ein ganz tolles Display, wo man den aktuellen Status kinderleicht ablesen kann, nur für das WC gibt es das nicht.  Das ist wirklich nicht angenehm, wenn du mitten in der Nacht pinkeln willst und plötzlich …

Wenn das rote Licht angeht,
weißt du, dass du nicht richtig stehst.
Denn es verrät dir:
NEE, NEE
VOLL ist das WC!

… also rechtzeitig kalkulieren! Innerhalb von drei Tagen bzw. Nächten hatten wir den Dreh raus: Gleich beim Einchecken am Campingplatz sich erkundigen wo sich Abwasserkanal, ChemieWC Entsorgung und Wasserhahn befinden. Vor der Abfahrt wird Wasser gelassen und neu eingefüllt, und der WC Status gecheckt. Das ist ziemlich gefinkelt, weil es wie bereits beschrieben, keine Vorwarnung gibt. Wenn’s leuchtet ist der Fäkalientank voll und es ist keineswegs ratsam, diese Information zu ignorieren. Besser, den Deckel heben und abschätzen wieviel „geht da noch rein“.

Freitag, 6. September 2013: Wien – Innsbruck, 502km

INNSBRUCK – Es geht los!

Am Donnerstag haben wir das WoMo beladen. Ich hätte nicht gedacht, dass das so lange dauern würde, aber wir brauchten wirklich den ganzen Tag dazu. Aber am Freitag war es dann endlich soweit – um 6:00 Tagwache, immerhin galt es: die Fahrräder auf dem Träger zu montieren, inklusive Ladegutwarntafel (die braucht man für Italien) – Egberts Job; die letzte (noch ein bisschen feuchte) Wäsche zu bügeln und im WoMo verstauen – mein Job; den Inhalt vom Kühlschrank in den WoMo Kühlschrank zu transferieren – wiederum mein Job; Breitenfurt dicht machen – Egberts Job.

Um 11:00 waren wir endlich startklar und los ging es Richtung Innsbruck. Wir waren erstaunlich flott unterwegs, was so ein Turbo Diesel alles kann! Was mich ganz besonders verwundert, es sind ur-viele WoMos unterwegs, also – unser Schnecki hat viele Spielgefährten auf der Autobahn.

Ja, ich denke Schnecki passt, wir schleppen unser Häuschen (das ist vielleicht etwas übertrieben, Egbert nennt es lieber Garconniere) überall hin mit und die aller schnellsten sind wir nun auch nicht, obwohl LKWs kann man schon überholen!

Der Kapitän
Der Kapitän an seinem Arbeitsplatz

In Kufstein haben wir kurz gehalten, was gar nicht so einfach war. Endlich entdeckten wir einen Schrägparkplatz, na nichts wie hinein! Nur, die Gasse war so schmal, dass das nachfolgende Auto nicht vorbeifahren konnte, wir ragten zu weit in die Fahrbahn, also nichts wie wieder heraus aus der Parklücke und eine andere gesucht. Was uns dann auch, siehe Foto glückte.

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Nach einer angenehmen Kaffeepause direkt unter der Festung Kufstein ging es weiter.

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Festung Kufstein

In Innsbruck auf dem Camping Platz eingecheckt, schnell Schwammerlsosse gekocht, das erste Essen im WoMo genossen und Egbert musste zum Fußballmatch Schauen (2m Bildschirm im Restaurant vom Campingplatz) Deutschland gegen Österreich, während ich geruhsam das Geschirr wusch, Schnecki fotografierte und den Blogg verfasste.

Im Hintergrund das Geschirr
Im Hintergrund das Geschirr …
Im Vordergrund der Laptop mit Blogg
… im Vordergrund der Laptop mit Blogg

Morgen geht es zuerst nach Schloss Ambras und danach Richtung Gardasee, bis dann; Gute Nacht!

Sonntag, 8. September 2013: Innsbruck – HinUndHerUndDochWiederZurück – Gardasee, 330km

AM GARDASEE

Unsere erste Nacht im Schnecki verlief problemlos. Jeder hatte Platz genug und die Matratzen sind auch recht bequem. Am Abend vorher erklärte ich, dass die Dusche im Camping Platz Waschraum benützen würde, weil mir das im WoMo doch nicht so geheuer ist.

Naja, am Morgen war es recht frisch. Man merkte halt, dass mittlerweile nicht mehr Sommer ist und man sich noch dazu in den Tiroler Bergen befindet. Mein Enthusiasmus bezüglich Dusche im Waschraum sank auf ZERO. Nachdem wir die Warmwasserheizung auf 60° gedreht hatten, schritt Egbert zur Tat: Duschvorhang rundherum gezogen (ist über 2m lang) – Dusche aufgedreht und … es klappte wunderbar und für mich war auch noch genug Warmwasser da! Herrlich!!! Durch die Deckenluke zieht die Feuchtigkeit rasch ab, die Duschtasse (gleichzeitig auch Badezimmerboden) ist schnell trockengewischt. Also Camping Platz Waschräume sind eigentlich nur für „affaires en gros“ gut und so blieb es die ganze Reise. Wie ich unser WoMo Badezimmer liebe!

Was fehlt ist ein Schieber um den großen Spiegel vom Dunst zu befreien, aber beim nächsten Supermarkt Stop werden wir so etwas organisieren.

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Das Frühstück verlegten wir nach Indoor, wie gesagt, es war ein bisserl frisch.

Dann machten wir uns auf den Weg nach Schloss Ambras. Das Schloss hat eine schöne Sammlung an Rüstungen und eine Kunst- und Wunderkammer mit allerlei interessanten Exponaten.

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Schloß Ambras und der Festsaal, wo oft Konzerte stattfinden

Fresken des Festsaals sind ebenfalls beeindruckend. Am besten macht ihr euch selbst ein Bild davon.

Die Rüstkammer   DSCF4660
Die Rüstkammer, die Rüstung in der Mitte gehörte einem Junker im 16.Jh, der 2,60m groß war. Das war damals noch viel gigantischer als heute, bei einer durchschnittlichen Körpergröße von 1,60.

Egbert von Kaisern umgeben
Egbert in kaiserlicher Gesellschaft (ganz rechts Kaiser Karl V., der Vater von Maria Theresia)

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Der Innenhof

Nun machten wir uns endlich auf den Weg nach Italien über den Brenner Richtung Gardasee. Dabei versuchte ich die WoMos zu zählen, die uns entgegenkamen, aber es waren viel zu viele. Über Kurven ging es hinauf, über Kurven ging es hinunter, zur Ösi-Maut, dann zur Italo-Maut, weiter auf der Autostrada, zur nächsten Maut und zur übernächsten Maut, dazwischen Kurven und nochmals Kurven … bis …

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Die Europabrücke    …  endlich, der Gardasee!

… plötzlich der Gardasee sich zu unseren Füßen ausgebreitete. Ein herrliches Panorama, also nix wie den nächsten Parkplatz ansteuern, die Kameras zücken und die ersten Fotos schießen.

Dann fuhren wir am Westufer entlang mit herrlichem Blick auf den See. Das Navi lotste uns sicher durch alle Ortschaften, Straßen und Gässchen, bis kurz vor dem Ziel es uns ins Hinterland verwies. Egbert zögerte der Anweisung zu folgen, wie Recht er doch hatte! Wir irrten über Autostradas und Kreuzung und immer dort, wo es knifflig wurde schwieg das Navi beharrlich. Ich hatte den Eindruck, es kannte sich selbst nicht aus und kam mir dabei wie Odysseus vor. Gott sei Dank dauerte es nicht zwanzig Jahre, bis wir mittels Trial&Error endlich die richtige Abzweigung fanden.

Um 19:00 hatten wir, erleichtert, aber mittlerweile schon sehr hungrig, unser Domizil gefunden, einen Campingplatz direkt auf einer kleinen Landzunge gelegen mit herrlichem Blick über den See.

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Ein schönes Plätzchen …

Nachdem Schnecki platziert und mit Strom verkabelt war, ging es zum Ristorante wo bei pizze con vino bianco der Abend ausklang.

Heute, Sonntag ist Erholung und Entspannung angesagt.

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… erste Reihe fußfrei …
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… sogar mit WLAN

 

Montag, 9. September: Gardasee – Mailand – Padua, 200km

MAILAND

Heute früh machten wir einen letzten Rundgang durch den Camping Platz.

Am Ufer des Gardasees

Das kennt jeder James Bond Fan ...
… und das kennt jeder James Bond Fan

Danach erledigten wir die üblichen Service Tätigkeiten, wie Toiletten- und Abwassertank entleeren, Frischwassertank neu auffüllen, alle Luken und Fenster schließen, Stromkabel abnehmen, Gashahn abdrehen, Stützen hochfahren, Tisch und Sessel wieder verstauen und um 10:00 fuhren wir los Richtung Mailand.

Ich hatte große Befürchtungen, WO werden wir Schnecki parken können und WIE werden wir uns zurecht finden? Gestern Abend versuchte ich Park&Ride Plätze ins Navi einzuspeichern, aber das war gar nicht einfach ohne Hausnummern. Endlich fanden wir einen, mit Street Level (denn in ein Parkhaus kommt man mit WoMo nicht hinein. Erleichtert fuhren wir zum Wärterhaus, worauf der Parkwächter den Kopf schüttelt und auf Italienisch unmissverständlich erklärt, dass hier kein WoMo parken darf. Ich war ziemlich sauer: 1. war der Parkplatz fast leer und 2. stand nirgends ein Schild, welches das Parken von WoMos untersagte. Trotz nochmaliger Bitte ließ er sich nicht erweichen und wir kehrten um Richtung Straße. Egbert fragte einen Passanten, wo man hier parken könnte und dieser erklärte: „Na, überall!“ Also fuhren wir aufs erste gerade aus, und schon nach 100 Metern entdeckten wir einen wunderbaren öffentlichen Parkplatz mit viel Raum. Nachdem die Türen von innen spezial einbruchsicher verriegelt worden waren, eine doppelte Lenkradsperre und die Eingangstüre doppelt abgesperrt war, machten wir uns auf Richtung METRO, keine 200 Meter von unserem Parkplatz entfernt. Nach 10 Stationen stiegen wir aus und sahen …

Der Mailänder Dom
… den Mailänder Dom

Dies ist wirklich ein interessantes Bauwerk, ein Dom mit fünfschiffiger Basilika aber ohne Kirchturm, dafür mit unzähligen Stützpfeilern und Statuen. Wir wanderten durch das riesige Kirchenschiff, kletterten die 250 Stufen hinauf auf das Dach aus weißen Marmorplatten.

Egbert, der Wasserspeier
Egbert, der Wasserspeier

Danach besuchten wir kurz die Galleria, wo wir bei GUCCI einen Espresso genossen.

Galleria
Galleria …

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Egbert und Borsalino …

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… Espresso bei Gucci

Dann kehrten wir zum WoMo zurück und stellten erleichtert fest, dass alles heil und unberührt geblieben war. Also hieß es, Abschied nehmen von Mailand und da es noch recht früh war, beschlossen wir nicht den geplanten Mailänder Campingplatz anzusteuern sondern weiter bis Pavia zu fahren. Dort ließen wir den Abend ausklingen mit ofenfrischem Baguette, Parma Schinken, Mortadella und italienischem Rotwein. Die vielen Gelsen, unser Begrüßungskomitee in der Abenddämmerung trug der kräftige Wind davon.

Morgen geht es endlich an die Cote d’Azur, also dann … Gute Nacht!

 

Dienstag, 10. September: Padua – Menton – Monte Carlo – Nizza – Cagnes sur Mer, 339km

SÜDFRANKREICH – WIR KOMMEN!

Heute brachen wir von Pavia endlich Richtung Südfrankreich auf, zuerst durch das italienische Hinterland hinunter bis zum Meer, nahe Genua, dann an der Riviera entlang bis nach Menton. Dieses malerische einstige Fischerdörfchen liegt direkt an der Grenze zu Italien.

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Menton

Hier empfahl uns das schlaue WoMo Reisebuch einen Camping Platz, der hoch über der Stadt thront, mit herrlichem Blick über Menton und Mittelmeer. Der Tipp lautete: WoMo dort abstellen, über die Stiegen zum Bahnhof hinunter gehen und den Zug (10km) nach Monaco nehmen, da dort nirgends ein Parkplatz fürs WoMo zu finden wäre. Nebenbei bemerkte der Autor: Generell sei Frankreich nicht gerade WoMo freundlich. das ist eine leichte Untertreibung wie wir im Laufe der Reise fest stellen mussten. Die Überschrift zu diesem Kapitel lautet: Côte d’Azur für Fortgeschrittene (mittlerweile wissen wir, was Fortgeschritten bedeutet, es bezieht sich auf die Fahrkünste – Egbert ist bereits ein wirklich exzellenter WoMo Pilot).

Noch ein Tipp fand sich – das Navi ignorieren, was wir sowieso in letzter Zeit sehr gerne tun und damit gar nicht schlecht fahren, und gleich nach links abbiegen, den Berg hinauf weil die Strasse leichter zu fahren wäre. Mühsam erklommen wir Kehre für Kehre, und fragten uns, was unter „leicht“ zu verstehen sei, denn die Strasse war alles andere als ein Boulevard.

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Echt steil!!!

Oben angekommen fanden wir den Camping Platz, fuhren hinein und lasen, dass die Rezeption erst in einer Stunde öffnet. Also suchten wir uns inzwischen ein schönes Plätzchen mit herrlicher Aussicht direkt gegenüber des Privathauses der Camping Platz Besitzerin (wie sich sofort herausstellte), zückten die Kamera und s´chossen ein paar Fotos.

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Menton von oben

Madame trat in ihren Garten und erklärte auf Französisch, dass der Camping Platz für Wohnmobile und Wohnwägen verboten sei und dies doch untern an der Straße deutlich vermerkt wäre. Hatten wir natürlich nicht gelesen, weil wir ja von einer anderen Seite gekommen waren.

Unser Tagesplan war mit einem Schlag komplett über den Haufen geworfen. Das passiert halt, wenn man keine Pauschalreise im Bus bucht sondern auf eigene Faust ins Abenteuer fährt. Was tun? Egberts Vorschlag: In Menton den Shop aufsuchen wo man SIM Karten fürs Tablet bekommt und danach im Internet einen anderen Camping Platz suchen. Meine Idee: Fahren wir nach Monaco, da gibt es das einzige Parkhaus Europas, wo WoMos hineinkönnen, stellen wir uns dort hinein und fahren dann auf einen Camping Platz. Aber bekanntlich kommt es meistens anders, als wir denken ….

Zuerst fuhren wir den Berg hinunter, fotografierten das herrliche Panorama und versuchten mittels Navi jenen Shop zu finden. Wir irrten eine Stunde durch engste Gässchen, bis wir aufgaben und auf der Uferstrasse Richtung Monaco fuhren, wobei fuhren ein bisschen übertrieben ist, wenn man im Schritttempo sich vorwärts bewegt. Aber das hatte auch sein Gutes, wir konnten viel sehen und in aller Ruhe fotografieren.

Monte Carlo
Monte Carlo

In Monte Carlo packte Egbert der Ehrgeiz und er versuchte die Formel 1 Strecke mit dem WoMo abzufahren, wäre nicht möglich gewesen, wenn wir den Zug genommen hätten. Das klappte auch ganz gut, (anscheinend kennt er die Strecke vom Zuschauen schon in und auswendig), bis ein Polizist ihn am Weiterfahren hinderte indem er ihm dreimal erklärte, dass WoMos hier nicht fahren dürfen. Na gut, dann halt nicht, dann Richtung Monaco … aber … da dürfen auch keine WoMos hinauf, also weiter fahren Richtung Nizza, über die Moyienne Corniche wo wir beim Jardin Exotique anhielten und ein wundervolles Panorama sich vor uns ausbreitete.

Monaco mit Monte Carlo
Monaco mit Monte Carlo

Inzwischen war es schon recht spät und wir peilten einen Camping Platz kurz hinter Nizza. Zuerst ging es zügig voran über die Autobahn, aber dann fuhren wir ins Zentrum von Nizza, absolvierten im Schritttempo eine kleine Stadtrundfahrt, vorbei am wahrscheinlich schönst gelegenen Flugplatz der Welt, der liegt direkt neben dem Strand am Meer.

Um 19:00 war unsere Tages-Etappe beendet. Da kein Restaurant weit und breit, gab es Spaghetti à la Bolognese, und als Nachtisch Rotwein und Käse. Unser Resumée: Wir haben wirklich viel gesehen und erlebt. Es ist ein wunderschöner Fleck auf Erden aber das haben vor uns schon viele, viele, wirklich viele andere auch schon entdeckt.

Der Camping Platz, den wir gefunden haben, war sehr nett, zwar nicht hoch gelegen sondern in einem schattigen Tal, wo einem am Morgen das frische Baguette direkt vor die WoMo Türe geliefert wird.

 

Mittwoch, 11. September: Cagnes sur Mer – Vence – Antibes – Juan le Pins – Cannes – Agay, 92km

COTE D’AZUR

Diesmal wende ich mich direkt an einige aus meiner Leserschaft. Seid nicht böse, wenn ihr euch nicht wieder findet, aber ich denke an jeden von euch. Immer wieder fallen mir Gegenstände oder Situationen auf, die ich mit einem von euch assoziiere. Also dann mal los:

Lieber Michael

Für die anderen, das ist mein Bruder, ich habe nur einen, aber zwei Schwestern, die werden auch noch dran kommen.

Wie du am besten von allen weißt, mit dem WoMo unterwegs erlebt man immer wieder neue Abenteuer. Mittwoch früh beim Wegfahren vom Campingplatz habe ich gleich an dich gedacht, denn auch wir haben eine Schwelle zu spät bemerkt, und SCHWUPPS von 12 Tellern sind nur mehr zwei zu verwenden. Der Rest verstreute sich in splitteriger Form auf dem WoMo Boden begleitet von einem Bierglas und meinem Milchkännchen. Beim nächsten Stopp, als Egbert auftankte, räumte ich den Scherbenhaufen zusammen. Die zehn Teller und zwei Gläser waren wirklich ein großer Haufen. Endlich kam auch der neu erworbene Tischstaubsauger zum Einsatz, mit dem ich auch die kleinsten Splitter erwischte. Seither passe ich wie ein Schießhund auf und rufe sofort SCHWELLE!!!! sobald ich eine nur wittere.

Liebe Pamina, liebe Jenufa

Das sind meine Töchter, für alle, die es nicht wissen.

Dann ging es nach Vence. Wir flanierten durch die winzige mittelalterliche Stadt mit ihren engen Gassen.

Vence
Vence

Das hat mich sehr an Malta erinnert, obwohl es nicht so hell ist wie dort. Und die Häuser sind ein bisschen anders gebaut, aber genauso eng und genauso alt. Es gibt sehr viele kleine Läden und Restaurants in den winzigen Gässchen. Da dieser Stadtteil am Verfallen war, beschloss die Stadtverwaltung jungen Mietern zehn Jahre lang die Miete zu erlassen, wenn diese dafür in der Zeit das Haus renovieren. Anscheinend nehmen mehr und mehr dieses Angebot in Anspruch.

In Vence befinden sich gleich beim Stadttor drei Brunnen mit exzellenter Wasserqualität. Erst 1886 wurde eine Wasserleitung gebaut. bis dahin wurde jedes benötigte Wasser von diesen drei Brunnen geholt.

Das Stadttor
Das Stadttor …

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… der Hauptbrunnen

Seit wir mit dem WoMo unterwegs sind, weiß ich, was das heißt. Jeden Tag wird der Frischwassertank nachgefüllt und der Abwassertank ausgeleert. Aber dazu muss man wissen, WO man das tun kann. Wir suchen die Zapfstelle, hängen den Schlauch rein und drehen das Wasser auf. Damals musste man allerdings alles in Kübeln nach Hause schleppen.

Liebe Renée,

Das ist meine älteste Schwester, für alle, die es nicht wissen! Stell dir vor, hier fanden wir in einem kleinen Kircherl dieses Mosaik von Chagall. Der hat hier auch, wie so viele andere Künstler einige Zeit gelebt und gearbeitet.

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Die Auffindung von Moses im Weidenkorb am Nil

Nach einer Pizza ging es weiter nach Antibes.

Antibes ist ein nettes kleines Städtchen. Mittlerweile habe ich diese „netten kleinen Städtchen“ fürchten gelernt, denn für WoMos ist das nämlich gar nicht „nett“. Aber wir lernen dazu, es gibt in diesen Städten öffentliche Parkplätze mit Parkscheinen. Anpeilen und einen Parkplatz suchen, der breit und lang genug ist, wobei unser WoMo mit seinen 5,40m eh recht Parkplatztauglich ist.

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Liebe Uschi, lieber Hartmut,

Das sind Pias Eltern und Pia ist Christophs Frau und Christoph ist Egberts Sohn, für alle, die das noch nicht wissen.

Wir flanierten durch die Gassen und steuerten dann zielstrebig das Picasso Museum an. Picasso hat zwei Jahre in Antibes gelebt und gearbeitet, später dann in der näheren Umgebung und ist 1973 auf seinem Alterssitz in Mougins gestorben. Jedenfalls beherbergt das Museum im zweiten Stock eine exklusive Picasso Ausstellung mit Bildern, Grafiken und Keramiken.

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Die meisten Exponate hat er direkt bei seinem Aufenthalt 1946 im Chateau Grimaldi gemalt, dem heutigen Museum, den Rest hat er gestiftet, bzw. seine Tochter. Es war sehr interessant die unterschiedlichen Werke zu betrachten. Eines fällt unmissverständlich auf, Picasso hat Spaß an der Sache gehabt und ein hohes Maß an Phantasie ausgelebt.

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Dieses Bild strahlt so viel Fröhlichkeit aus

Im Garten vor dem Museum befinden sich ein paar moderne Skulpturen, die auch recht schön sind!

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Danach ging es weiter nach Juan le Pins.

Liebe Oma, eigentlich liebe Pamina, kannst du das der Oma bitte vorlesen. Ich denke sie wird sich sehr darüber freuen.

Also, liebe Oma,

Wir sind durch Juan le Pins gefahren, sehr langsam, weil in einer Autokolonne. Ich glaube nicht, dass du den Ort heute noch wieder erkennen würdest, selbst wenn du besser sehen könntest. Hier reiht sich ein Riesenhotel an das nächste, zumindest im Stadtkern. Etwas außerhalb erahnt man wunderschöne Villen hinter dicken hohen Mauern. Beim Durchfahren habe ich sehr viel an dich gedacht. Und ich hoffe, es geht dir gut!

Danach war Cannes an der Reihe. Wir sind den Boulvard de Croisette von Anfang bis zum Ende gefahren, das war nicht Absicht, sondern Zufall. Wunderschöne riesengroße Palmen säumen die Straße, daneben das azurblaue Meer und auf der anderen Seite Villen und Appartementhäuser.

Lieber Robbin, liebe Birgit,

Das sind mein Sohn und seine liebe Frau. Hier habe ich besonders an euch gedacht. Eine wichtige Verfolgungsjagd aus dem Film Der Transporter wurde hier in Szene gesetzt, obwohl ich mich frage, wie sie es geschafft haben dafür die Croisette zu sperren. Und dann sind wir natürlich an den Hotels vorbei gefahren und ich habe mich aus dem Fenster gehängt und dieses Foto für dich geschossen, liebe Birgit.

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Das Ritz Carlton …

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… die Palmen auf der Croisette

Als wir endlich beim Campingplatz einfuhren, war es schon finster. Das WoMo wurde auf dem Übernachtungsplatz eingeparkt, denn alle Stellplätze waren belegt, und das in der Nebensaison!

 

Donnerstag, 12. September: Agay – St. Rafael – Frejus – St. Maxime – St. Tropez – Giens, 127km

WEITER GEHT ES ENTLANG DER RIVIERA

Nach einer angenehmen Nachtruhe, drehten wir eine Runde auf dem Camping Platz, der direkt am Meer liegt, eine Seltenheit an der Cote d’Azur und nach dem obligatorischen Auf- bzw. Entladen ging es wieder auf die Pirsch. Zuerst ein Stückchen zurück, zur Corniche d’Or, weil es gestern Abend fürs Fotografieren schon zu spät gewesen war. Diese riesigen Felsen sind nicht goldfarben sondern rot und fallen direkt ins Meer, wodurch es richtig tintenblau wirkt.

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Tolle Farben, die Fotos sind nicht retouchiert!

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Danach steuerten wir St. Rafael an, weil wir die SIM Karte fürs Tablet nachladen mussten. Das war kein leichtes Unterfangen und die Kritiken im Internet über das unfreundliche Orange Personal in Frankreich kann ich hiermit bestätigen. Nichts desto trotz, wir sind endlich wieder ONLINE!!!! Zur Mittagszeit erreichten wir Frejus, sahen einen Riesensupermarkt und bogen auf den Parkplatz ein, denn wie ihr wisst, uns sind ja die Teller ausgegangen. Wir wurden dort fündig und um unsere Neuerwerbung gleich zu testen, nahmen wir herrliche Pasteten, guten französischen Käse und frisches Baguette mit. Es war Mittagszeit, also setzen wir uns an den Esstisch im WoMo und verputzten das Baguette mit Pasteten, Käse und frischem kühlen Bier, ein wahrer Genuss. Gelabt und gestärkt machten wir uns auf die Suche nach den Sehenswürdigkeiten, ein wunderschönes altes Kloster aus dem 12. Jh und ein römisches Amphitheater. Das Procedere ist bereits bekannt – Parkplatzerl suchen und ab die Post.

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Egbert vor dem Kloster

Das Kloster war sehr interessant, besonders der Kreuzgang (11.Jh), die Taufkapelle (4./5.Jh) und die Basilika, ein schlichter romanischer Bau, wo das Chorgestühl der Mönche die komplette Apsis ausfüllt und der Altar im Seitenschiff steht.

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Mich hat die Kirche in ihrer Schlichtheit sehr berührt und ich habe überlegt, wie viele Menschen in den letzten Jahrhunderten hier Zuflucht und Trost gesucht haben, oder ihrem Schöpfer die Ehre geben wollten. Obwohl, das glaube ich, fällt uns am aller-allerschwersten, unserem Schöpfer wirklich die Ehre zu geben.

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Der mittelalterliche Kreuzgang

Danach war das römische Amphitheater dran, das als solches nicht mehr zu erkennen ist, weil mit Beton verstärkt, dient es nun als Stierkampfarena, denn der hat auch in Südfrankreich Tradition, wenn auch meistens eher in der unblutigen Version.

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Römische Antike in Beton gehüllt

Bei Espresso und Eis beobachteten wir eine Hochzeitsgesellschaft auf ihrem Weg in die Kirche. Wie sich diese Szenen überall gleichen und dennoch ihr kulturell eigenes Flair haben. Da wurde hier und dort noch zurechtgezupft und der Freund/Ehemann trug die Zehenschlapferl in der Hand, falls die Hochhackigen doch zu sehr schmerzen sollten. Die Brautmutter aufgedonnert mit Hut, die diversen Freundinnen und Cousinen in teils viel zu engen Stretchkleidchen. Und alles stand und wartete auf die Braut, die in einem weißen 7er Audi vorfuhr.

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Danach schwangen wir uns wieder in unser Schnecki und weiter ging es nach St. Tropez. Kurz davor gaben wir auf, weil der Stau unbeschreiblich war. Sobald wie möglich bogen wir ins Landesinnere ab und fuhren Richtung Giens.

Hier sind wir nun gelandet und nach einer – was kann es denn anderes sein und das hier in Frankreich – Pizza, diesmal in einem XXL Format, sitzen wir hier und ich tippe die letzten Buchstaben in den Blog.

Bis morgen, alle miteinander; Margot