Etappe 1: Von Wien nach Ravenna

Freitag, 22.8.2014: Wien – Faak am See

Triatlon und Raindrops keep falling on my head

Zu Mittag geht es los bis zum Faaker See, unserem letztem Stützpunkt im heimatlichen Österreich und ersten Übernachtungsplatz.

Unser erster Stellplatz
Große Plakate verweisen nicht nur auf den Triatlon, der am Samstag stattfinden soll, sondern auch darauf, dass wegen der Veranstaltung die Straße zwischen 9:15 und 12:00 gesperrt sein würde. Bei einem kleinen Rundgang über den Camping Platz direkt am Seeufer überlege ich, dass es sicher nicht angenehm sein würde, morgen früh in den „frischen“ Faaker See zu springen und gratuliere mich selbst für die Nichtteilnahme an diesem Event.

Am Faakersee
Abendstimmung am Faakersee

Nach einem warmen Gulasch (tiefgekühlt mitgenommen) fallen wir müde in die Betten, mit dem Wecker auf sieben Uhr gestellt.

Samstag, 23.8.2014: Faak am See – Ravenna

WoMo Führer können ganz praktisch sein!

Das Wetter ist nicht gerade einladend und so fällt es uns gar nicht schwer frühmorgens aus den Federn zu springen und nach erledigter Katzenwäsche und genussvollem Frühstück, alle sieben Sachen zu packen und um 9:00 Reißaus zu nehmen, während die ersten Sportrecken der Startlinie zustreben.

Der Regen begleitet uns über die Grenze und weiter durch das Kanaltal. Vor Udine geraten wir in einen Stau, verursacht durch ein zu hohes Verkehrsaufkommen. In einem WoMo lässt sich so etwas viel angenehmer durchstehen. So kann man einander sehr leicht am Steuer abwechseln um menschlichen Bedürfnissen Folge zu leisten. Eigentlich wäre so ein Stau eine hervorragend Einnahmequelle um das Urlaubsbudget aufzubessern. Man plakatiert, Toilettenbenützung, kaltes Bier, heißen Kaffee und Wurstsemmerl zu Phantasiepreisen. Denn man hat einige Vorteile auf seiner Seite – die nächste Toilette ist weit entfernt, bzw. unerreichbar; ebenso die nächste Snackbar und natürlich ist so eine Gelegenheit ideal um die aufkommende Langeweile zu unterbrechen. Irgendwann löst sich der Stau auf, ebenso wie meine Vermarktungsideen.

Vor Ravenna beginnt endlich die Sonne zu scheinen und wir beschließen gleich in die Stadt zu fahren um eine italienische SIM Karte fürs Tablet zu erwerben. Eigentlich sind wir stets mit mehreren Reiseführern unterwegs, einer davon ist ein spezieller für WoMos, der einem verrät wo man am besten sein bestes Stück abstellen kann. Für Sardinien haben wir einen mit, aber für Ravenna hatten wir darauf verzichtet, weil wir sowieso nur eineinhalb Tage hier verbringen würden – im Nachhinein gesehen, keine so gute Idee!

Mutig fahren wir voran, während die Gässchen Richtung Zentrum immer schmäler werden. Schließlich wird beschlossen, ich steige aus und erkunde das Umfeld, während Egbert am Steuer bleibt. Gleich um die nächste Ecke entdecke ich die Fußgängerzone, ein schmales unpassierbares Gässchen. Nun ist guter Rat teuer – aber kurz darauf erklärt uns ein freundlicher einheimischer Italiener, dass wir nicht die ersten wären, die mit WoMo versuchten Ravenna zu erobern, aber 100m weiter einmal links und einmal rechts sei ein Parkplatz. Mit „molto grazie“ bedanke ich mich für den Tipp, eile voraus, halte die entgegenkommenden PKWs auf, damit Egbert unser Schnecki wohlbehalten gegen die Einbahn durch das Gässchen manövrieren kann, und siehe da, den Parkplatz gibt es tatsächlich nur benötigen wir drei Stellplätze im Querformat. Wir bezahlen ein Ticket und machen uns auf den Weg zum TIM Shop.

Der ist schon zu, also beginnen wir mit dem ersten Rundgang durch Ravenna und befinden, dieses Städtchen ist wirklich eine Reise wert! Nach einer Stunde kehren wir zu Schnecki zurück und siehe da, ein Zettelchen prangt an der Windschutzscheibe. Leider sind wir des Italienischen nicht mächtig, aber so viel verstehen wir schon, dass man uns nicht herzlich willkommen heißt. Das Zettelchen liegt im Handschuhfach und wer Italienisch kann, der melde sich, damit wir erfahren, was drauf steht.

Sonntag, 24.8.2014: Ravenna

Ravenna, Ravenna, Ravenna!

EInblicke

Der Campingplatz liegt ein bisschen außerhalb, aber direkt bei einer Bushaltestelle. Also machen wir uns am Vormittag auf, um mit dem Bus nach Ravenna zu fahren, sehr stressfrei und direkt am Bahnhof steigen wir aus. Die nächsten Stunden verbringen wir damit durch die Gässchen zu wandeln und die herrlichen Mosaike in verschiedenen Kirchen und Baptisterien zu bewundern, alle miteinander 1500 Jahre alt, aus einer Zeit, als Ravenna die Hauptstadt des Weströmischen Reichs war.

Außen wirken alle Gebäude recht bescheiden, um nicht zu sagen unscheinbar, schlichte Fassaden aus blankem Backstein, aber innen … herrliche Mosaike in den buntesten Farben, die anscheinend fast unbeschadet die Jahrhunderte überstanden haben, anders als der Rest der Innendekoration, denn überall dort, wo keine Mosaike mehr zu sehen sind, waren die Wände mit Marmorplatten verkleidet. Wir fotografieren und staunen über die wunderschönen Bilder, die sich uns offenbaren:

 

Müde und mit vielen Fotos kehren wir zurück zu Schnecki. Zum Abendessen gibt es Pizza aus der Campingplatz-Pizzeria.Wer alle Fotos aus Ravenna sehen will, schaut am besten bei den Fotostrecken nach!

Montag, 25.8. Ravenna – Livorno

Quer durch den Apennin

Mauloleo di Teodorico

Morgens machen wir uns auf, denn heute haben wir viel vor: Das Mausoleum des Theoderich, endlich die SIM Karte kaufen, dann die letzte Sehenswürdigkeit von Ravenna – San Apollinare in Classe und quer über die Berge nach Livorno, denn um 24:00 geht die Fähre nach Sardinen.

Der Stier packt den Stier an den Hörnern
Der Stier packt den Stier an den Hörnern

Der Weg durch die Berge ist schön, aber recht beschwerlich und lange, denn Schnecki ist ein bequemes Reisegefährt, im wahrsten Sinn des Wortes – TEMPO lässt sich nicht damit machen! Nach kurzer Rast mitten in der Wildnis geht es sofort weiter und wir erreichen Livorno spät abends mit hungrigem Magen.

Egbert erkundet allein die Umgebung, da ich Schnecki nicht aus den Augen lassen will. Die Hafenkneipe wirkt nicht sehr einladend, deshalb werfe ich den Gasherd an und kurz darauf dinieren wir knusprige Käsekrainer mit knackigem Salat und einem kühlen Bier, rechts und links umgeben von wartenden PKWs. So ein Schnecki hat wirklich Vorteile, das muss man schon sagen!

Endlich legt die Fähre an und während noch immer Autos aus dem Schiffsrumpf fahren, beginnt um 23:30 die Beladung.

Unsere Moby Fähre
Unsere Moby Fähre

Wir sind als eine der ersten dran, Parkdeck 3, ganz vorne am Bug.

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Insgesamt gibt es fünf Parkdecks, wobei drei – die Mitte – ebenerdig liegt, neben den WoMos werden hier auch die LKWs verstaut, während sich die kleinen PKWs auf die restlichen Etagen verkrümeln. Von oben beobachten wir das Beladen, das ganz schön lange dauert. Vor allem die riesigen Laster haben es nicht leicht, vorfahren – zur Seite – und dann rückwärts das Riesending meist inklusive Anhänger an die richtige Stelle in der Fähre platzieren.

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Das Beladen

Es ist ganz schön windig und frisch und so kehren wir sehr gerne in das Innere des Schiffs zurück. Überall betten sich Passagiere zur Ruhe, auf Matratzen, quer über Bänke, es sieht aus wie in einem Zigeunerlager. Wir gehen in unsere Kabine, wo theoretisch noch drei andere Personen auf den frisch überzogenen Betten Platz hätten. Wir begeben uns zur Ruhe, aber ich kann nicht einschlafen, das Schiff ruckelt und zuckelt durch die Wellen und ich denke unentwegt an die Costa Concordia und diese andere Fähre in Südkorea, die kürzlich gesunken ist. Schwimmwesten gibt es im Schrank gleich neben der Türe und oben an Deck habe ich die Rettungsinseln gesehen, aber wenn ich von der Reling hinunter ins Meer sehe, weiß ich nicht, wie das im Ernstfall funktionieren soll, denn da geht es mindestens 15-20 Meter hinunter. Irgendwann schlafe ich dann doch ein und gleich darauf klingelt der Wecker.