Schottland – Woche 4

Auf den Spuren von Highlander und James Bond

Donnerstag, 15.6.: Torvaig – Eilean Donan Castle – Fort Williams (57.195-57.381 km)

Gefahren: 186 km
Übernachtung: Glen Nevis Caravan & Camping Park (€ 29,04)

Wir verlassen die Isle of Skye über eine Brücke, die sich über den Kyle of Lochalsh spannt. Gleich dahinter liegt Eilean Donan Castle. Schon im 13. Jh erbaut, strategisch gut platziert am Zusammenfluss von drei Lochs (Meeresarmen) wurde das Schloss 1719 von den Engländern in Schutt und Asche gelegt. 1912 beschloss John MacRea-Gilstrap, das Clan Oberhaupt der McReas, die Ruine des ehemaligen Stammsitzes zu restaurieren. Nach zwanzig Jahren war sein Werk vollendet, mit einem großen Bankettsaal, etlichen Bedrooms und einer herrschaftlichen Küche. Das Ganze ist sehr liebevoll dekoriert und man bekommt einen guten Eindruck vom Leben der schottischen High Society anno dazumal.

Auch Hollywood verwendete diese traumhafte Kulisse für die Filme „Der Highlander“ mit Sean Connery und den James Bond Film „Die Welt ist nicht genug“ mit Pierce Brosnan. Wir inspizieren alle Räumlichkeiten und knipsen unsere Fotos, obwohl wieder einmal nicht gestattet. Aber diesmal habe ich dabei nicht das Gefühl, jemandes Privatsphäre zu stören.

Nachdem Egbert seine Nase ins Schloss Restaurant steckt und feststellt: „Hier riecht es nicht gut!“, ziehen wir uns ins Womo zurück und lunchen mit James Bond Kulisse.

Suchbild mit Womo
Unser Panorama-Blick während dem Mittagessen
Und gut geschmeckt hat es auch!

Danach geht es weiter Richtung Fort Willam, das Wandermekka Großbritanniens. Vorher werden wieder einmal die Vorräte aufgestockt.

Dazu ein kleiner Exkurs:

In Frankreich waren wir untertags viel mit Moped unterwegs und zu Mittag hielten wir Ausschau nach einem Bistro, wo viele Franzosen saßen. Dort bestellten wir einen „plât du jour“ und genossen das „savoir vivre“. Hier in Großbritannien sind wir hauptsächlich in Gegenden unterwegs, die kaum besiedelt sind. Also wird zu Mittag das Womo in Panorama-Position gestellt und in der eigenen Brasserie meistens eine Suppe gekocht. Bald waren die Suppenwürfel alle und nun kommt’s – die Engländer kennen keine Suppenwürfel und schon gar nicht Suppennudeln. In den Supermärkten findet man Regale voll mit Dosensuppen und diesen Plastikbechern, die nur mit heißem Wasser aufgegossen werden müssen, nicht unser Geschmack! Aber endlich, bei Morrisons im „Polen-Regal“ ja, was bei uns das „Türken-Regal“ ist hier das „P…-Regal“. Endlich – Suppenwürfel und Suppennudeln. Na, auf die Polen ist halt Verlass!

Wir übernachten am Fuße des Ben Nevis, das ist der Großglockner Großbritanniens mit stolzen 1.344m. Hier ist das Wanderzentrum des United Kingdoms. Viele Backpacker, viele Bed&Breakfast

Regen, Regen, Regen

Freitag, 16.6.: Fort William – Scottish Sealife Sanctuary – Oban (57.381-57.464 km)

Gefahren: 83 km
Übernachtung: Oban Caravan & Camping Park (€ 23,23)

Heute Morgen begrüßt uns wieder einmal die Schottische Dusche. Unser Weg führt weiter in den Süden. Dabei kommen wir auch an dieser Burgruine vorbei. Also wird sie gleich digital verewigt.

Kurz darauf passieren wir eine Aufnahmestelle für verletzte Seehunde. Da es schrecklich schüttet und wir eh nichts vorhaben, wollen wir uns das ansehen. Der Eintrittspreis ist mehr als happig und geboten wird nicht viel dafür. Zumindest haben wir das Gefühl, eine gute Sache unterstützt zu haben. Hoffentlich!

 

Naja, dann warten wir lieber!

 

Samstag, 17.6.: Oban – Inverary – Loch Lomond – Balgair Castle(57.464-57.630 km)

Gefahren: 166 km
Übernachtung: Balgair Castle Holiday Park (€ 25,55)

Dicker Nebel liegt auf den Hängen, als wir aufstehen. Gestern Abend hatte sich der Campingplatz bis auf den letzten Platz gefüllt, aber die ersten Übereifrigen machen sich schon wieder auf den Weg. Uns treibt es nicht so, denn für heute haben wir keine lange Strecke vor und wir hoffen, dass sich das Wetter ein bisserl lichtet.

Um 10:00 nach der Womo Toilette beginnt unsere Tour, die nach 500 Metern ihr abruptes Ende findet, weil ein Polizeiwagen quer über der singel road steht und damit auch keiner missversteht, ein rotes Absperrband über die gesamte Fahrbahnbreite jedes Durchfahren verhindert. Ich steige aus, frage nach: Naja, wie lange die Sperre dauern wird, kann er nicht sagen, vielleicht 10 Minuten, vielleicht eine Stunde. Ob es eine Alternativroute gibt? Naja, schon, da müßte man umdrehen, zurückfahren, rechts den Hang hinauf, durch das Gatter über den schmalen Privatweg und dann halt so da rüber … Die Äußerungen klingen sehr vage, die Vorstellung sich mit unserem Italiener über einen Acker zu quälen auch nicht gerade ermutigend, also entscheiden wir uns, die Sache auszusitzen. Gottsei Dank, es ist warm im Womo, wir haben unsere Tablets und vertreiben uns die Zeit mit Lesen. Schließlich stellt sich heraus, man hat einen body vorne links am Ufer gefunden, aller Wahrscheinlichkeit nach suicide, aber dennoch dauert es seine Zeit, bis die Erhebungen abgeschlossen sind. Wenn ich an den heftigen Regen und Sturm in der gestrigen Nacht denke, nicht gerade das Wetter um suicide zu begehen. Aber gut, man muss ja nicht alles diesen neugierigen Touristen preisgeben.

Endlich dürfen wir passieren. Viele Polizeiautos und –busse stehen am Straßenrand, umgeben von vielen Polizisten und Kriminalbeamten. Wir setzen unsere Fahrt fort Richtung Inverary.

Das Städtchen liegt an einem der unzähligen Meeresarme, und ist berühmt sowohl für sein Gefängnis und den Gerichtssaal aus dem 17. Jh und das Castle. Wir parken uns ein und gehen auf Erkundungstour, entlang der pittoresken Häuschen. Der Hunger meldet sich und so kehren wir ein in eines der unzähligen Inns. Hier gefällt es uns sehr gut.

Müde von so viel Sight Seeing fahren wir weiter zu unserem eigentlichen Ziel, Loch Lomond. Das Wetter meint es gut mit uns und ich habe viel Zeit die wunderschönde Landschaft zu genießen, welche sich vor uns, wie ein grüner Teppich ausbreitet. Endlich erreichen wir Loch Lomond, aber der Campingplatz ist – nicht zum erstne Mal – „full booked“. Aber die kluge Madame hat eine Idee und schickt uns zur Dependance mitten in die Pampa. Die Straßen werden immer enger, die Häuser weniger und … irgendwie denkt man, hier kann doch kein Campingplatz sein. Irrtum, als wir um die Kurve biegen, stehen wir mitten in einem nicht gerade kleinen Campingplatz.

Allerdings fest in der Hand der Briten, die hier auf ihren Saisonplätzen mit Wohnwagen, Vorzelt und nicht zu vergessen der Barbecue, das Wochenende genießen. Wir werden beäugt wie Aliens und so fühlen wir uns auch. Nun ja, lange wollen wir sowieso nicht verweilen, denn wir haben noch einen freien Tag übrig und nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschlossen, diesen in Edinburgh zu verbringen.

 

Rule, Britannia!

 

Sonntag, 18.6.: Balgair Castle – Edinburgh – Britannia (57.630-57.723 km)

Gefahren: 93 km
Übernachtung: Mortonhall Caravan & Camping Park (€ 25,55)

Herrliches Wetter empfängt uns heute. Der Sonnenschein erleichtert das frühe Aufstehen, denn wir wollen doch in Edinburgh noch etwas erleben! Schnell ist alles zusammengepackt und der Weg ist erstens nicht weit und zweitens kennen wir ihn bereits. Dabei kommen wir nochmals an Stirling Castle vorbei und halten kurz zum Fotografieren.

Am Mortonhall Campingplatz wird schnell eingecheckt, wir kennen uns ja mittlerweile gut aus. Viel Zeitaufwändiger ist die Stellplatzsuche, na – wer die Qual hat, hat die Wahl.

Ein nettes Plätzchen

Endlich ist das richtige Platzerl gefunden, das Womo an die Nabelschnur – sprich – 220 Volt Netz geklemmt und schon geht es Richtung Busstation, die kennen wir ja auch mittlerweile.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle sehen wir wieder die beiden „Wollrinder“

Der 11er lässt nicht lange auf sich warten und auf geht es zur Stadtbesichtigung, denn die Buslinie fährt quer durch Edinburgh und ihr Ziel ist der Ocean Terminal wo die Britannia vertäut liegt und der wollen wir heute einen besuch abstatten. Also klettern wir ganz schnell nach oben, belegen die erste Reihe fußfrei und genießen die Rundfahrt – viel billiger als HoppOnHoppOff!

Mit dem Doppeldecker quer durch Edinburgh

Nach 45 Minuten erreichen wir unser Ziel und das Abenteuer kann beginnen. Wir tauchen ein in das jüngste Zeitalter des britischen Empires, entdecken die Quartiere der Offiziere, der Mannschaft und natürlich die der königlichen Familie und ihrer Gäste. Echt sehenswert.

« 1 von 2 »

Nach einem Kaffee im Schiffseigenen Kaffeehaus, geht es zurück in die City. Hier bummeln wir in der Old Town, kommen an einem Dudelsack Festival vorbei, schlendern nochmals durch die kleinen Gasse um die Burg herum und entern müde den Bus, der uns nach Hause bringt.

An der englischen Mauer

Der Hadrians Wall

Montag, 19.6.: Edinburgh – Gretna Green – Hadrians Wall (57.723-57.982 km)

Gefahren: 259 km
Übernachtung: Hadrians Wall Caravan & Camping Park (€ 25,55)

An der englischen Mauer

Endlich, auch heut wieder Sonnenschein. Wir genießen das sehr nach den regenreichen Tagen. Unser letztes Sight-Seeing Ziel  hier in England ist der Hadrians Wall. Aber davor machen wir noch einen kleinen Abstecher nach Gretna Green, das muss sein – einfach um sich an dem total Touri zu ergötzen und das hat es echt in sich, das muß man einmal gesehen haben! Las Vegas in mini! Und wie man sieht, wird es auch heute noch für Hochzeiten genützt.

Wir staunen und staunen. Egbert lässt sich nicht überreden wenigstens das Selfservice Restaurant auszuprobieren, sondern besteht auf Selbstgekocht – naja, ich weiß – die britische Küche ist nicht wirklich Seines und ihm so gar nicht geheuer. Gestärkt treten wir unsere letzte Etappe an und landen auf einem wirklich netten Campingplatz direkt neben dem Hadrians Wall. Nachdem wir uns neben dem Ententeich gemütlich niedergelassen haben geht auch schon los, immer der Nase nach, bis wir an die Mauer stoßen.

Echt nett, so neben den Enten!

Na gut, Mauer ist ein bisserl übertrieben, eher eine niedrige Balustrade – aber immerhin 117,5 km lang. Aber man kann gut erkennen, dass die Mauer einst 5 Meter hoch war! Und was mich sehr beeindruckt hat, war ihre strategische Lage. Man hat von oben einen wunderbaren Überblick Richtung Schottland. Für die Römer war das damals sicherlich sehr praktisch, aber irgendwann war dann doch Schluss mit der Provinz Britannia.

Nach unserem ausgiebigen Spaziergang gibt es noch ein leckeres Abendessen und dann fallen uns auch schon die Augen zu.

Wieder zurück zum Kontinent

Wir sagen England Adieu!

Dienstag, 20.6.: Hadrians Wall – Hull (57.982-58.209 km)

Gefahren: 227 km
Übernachtung: Fähre (€ )

Unser heutiges Ziel ist Hull. Über eine lange Strecke fahren wir den Wall entlang. In England ist es anscheinend schick, den Hadrians Wall zu erwandern, so wie bei uns der Jakobsweg. Man sieht viele Leute mit Rucksäcken entlang stiefeln. Aber dafür fehlt uns die Zeit, denn die Fähre wartet. Noch schnell einen Happen gegessen und schon verschwindet unser Italiener im dicken Fährenbauch und wir entern unsere Kabine.

Diese Fähre verfügt über ein schönes Lesezimmer mit Tageslicht. Das muss ich gleich ausnützen und nachdem wir abgelegt und Hull im Dunst verschwunden ist, mache ich es mir dort gemütlich. In weiser Voraussicht habe ich mir 5 Bücher aus meiner E-book Bibliothek heruntergeladen, also beginne ich zu schmökern, während Egbert noch den Winden an Deck trotzt.

 

Quer durch Deutschland

Mittwoch, 21.6.: Zebrugge – Rüdesheim am Rhein (58.209-58.710 km)

Gefahren:  501 km
Übernachtung: Camping in Rüdesheim (€ )

Am Morgen gehen wir zu Starbucks frühstücken – richtig gelesen – Starbuck hat eine Filiale auf dieser Fähre, sehr praktisch, vor allem wenn man die Riesenschlange sieht, die für das Frühstücksbuffet ansteht.

Unser heutiges Ziel ist Rüdesheim am Rhein. Das kennt Egbert von seinen Dienstreisen, also einmal quer durch Belgien und weiter tief in die deutschen Lande. Wir checken am Campingplatz ein und wandern dann entlang des Rheins Richtung Innenstadt. Hier am Ufer liegen acht Kreuzfahrtschiffe vertäut, die alle den Rhein „beschippern“. Also hat der Kreuzfahrtboom nun auch die Flüsse erreicht. Trotzdem, unsere Reiseform wäre das nicht.

Mit müden Füßen kehren wir zurück und genießen unser kleines Zuhause.

Oje!

Donnerstag, 22.6.: Rüdesheim am Rhein – Walchsee (58.710-59.326 km)

Gefahren:  616 km
Übernachtung: Camping Seespitz (€ 33,40)

Weiter geht es durch Deutschland Richtung Tirol, denn dort habe ich noch ein Stelldichein mit einer Arbeitskollegin. Aber dann passiert es, bei Würzburg lassen sich die Gänge nicht mehr richtig schalten. Egbert probiert alles, aber letztendlich zuckeln wir mit 80 km//h und angehaltenem Atem im vierten Gang über die Autobahn. Wird der Italiener halten, oder bleibt er uns hier liegen? Nein, tapfer bringt er uns nach Tirol und auch dieses Mal hat Egbert eine wunderschöne Bleibe ausgesucht, ein Campingplatz direkt am Walchsee, vor uns fußfrei der Walchsee und dahinter die Rückseite vom Wilden Kaiser. Was will man mehr, ein echt tolles Panorama. Die Ruhe tut uns gut, nach all dieser Aufregung.

Geschafft!

Freitag, 23.6.: Walchsee – Kirchdorf – Wien (59.326-59.690 km)

Gefahren: 367 km
Übernachtung: Wien

Am Vormittag habe ich mein Meeting, während Egbert sich durch das Internet blättert auf der Suche nach Antworten für unser Problem.  Danach zuckeln wir nach Hause und landen am Nachmittag wohlbehalten in Wien. Erleichtert atmen wir auf. Alles ist gut gegangen und nun suchen wir einen Doktor, der unseren Italiener wieder zusammenflickt.

FAZIT:

Wir waren 30 Tage unterwegs und sind insgesamt 6.173 km gefahren. Schottland ist wirklich eine Reise wert. Allein die unberührte Landschaft ist mit Worten kaum zu beschreiben. Wir haben schon oft auf Campingplätzen übernachtet, aber noch nie auf so vielen mit solch herrlichem Panorama! Normalerweise sind wir in Südeuropa unterwegs, und demgemäß sehr sonnenverwöhnt. So war das Wetter – selbst für Schotten sehr regnerisch – doch gewöhnungsbedürftig für uns. Es war oft kühl und fast täglich hat es geregnet. Andererseits, im Womo hält man das gut aus. Es ist gemütlich warm, dank der Gasheizung. Man hat einen herrlichen Blick, dank großer Fenster und während man bequem sitzt und Kaffee trinkt, genießt man die Aussicht.

Ich denke, ein Wohnmobil ist DAS ideale Reisegefährt, um Schottland zu erkunden!

NACHTRAG:

Unserem Italiener geht es wieder gut. Gott sei Dank waren nur die Kugellager kaputt, aber das Getriebe blieb heil, weil die Kugel nicht hinuntergefallen sind. So war die Reparatur dann doch nicht so teuer.

Wer mehr darüber wissen will, hier der LINK wo alles genauer beschrieben ist.